Augenalarm: Europa wird kurzsichtig
Schlechter Ausblick für die junge Generation. Fotocredit: Unsplash
Eine Delphi-Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management im Auftrag der URSAPHARM Arzneimittel GmbH zeigt: Digitalisierung, veränderte Lebensgewohnheiten und die Alterung der Bevölkerung dürften den Bedarf an augenärztlicher Versorgung in Europa bis 2035 deutlich wachsen lassen. Die Expertengruppe bewertete 14 Zukunftsprojektionen und erwartet, dass Bildschirmarbeit zum Normalzustand vieler Berufe wird und digitale Augenbelastung (Computer Vision Syndrome, CVS) deutlich zunimmt.
Die Studie nennt konkrete Risiko-Zahlen: Mindestens etwa 60 Prozent der unter 30-Jährigen könnten bis 2035 kurzsichtig sein und rund 80 Prozent der Arbeitsplätze werden voraussichtlich eine dauerhafte visuelle Fokussierung auf Bildschirme erfordern; Faktoren, die kurzsichtigkeitsfördernde Naharbeit und Tageslichtmangel begünstigen. Parallel wird ein deutlicher Anstieg trockener Augen prognostiziert. Klimaanlagen, Luftqualität und Alterung verschärfen das Problem. Zusätzlich wird die Möglichkeit diskutiert, CVS als eigenständige Diagnose in internationale Klassifikationen (ICD) aufzunehmen.
Marktseitig könnte sich der europäische Augenheilkundemarkt bis 2035 im Vergleich zu 2025 etwa verdoppeln: Treiber sind Teleophthalmologie, KI-gestützte Screenings, smarte Kontaktlinsen und individualisierte Konzepte. Gleichzeitig warnen die Experten vor Engpässen durch Fachkräftemangel, regulatorische Hürden und Kosten.
Prävention bleibt laut Studie der Schlüssel: Gesetzlich verbindliche Maßnahmen gelten als schwer durchsetzbar, daher wird die Verantwortung zunächst bei Individuen und freiwilligen Schutzmaßnahmen liegen. Digitale Monitoring-Tools und smarte Linsen bieten Potenzial für Früherkennung, stoßen aber auf Akzeptanz- und Datenschutzfragen. Die Autoren betonen, dass politischer Wille, technologische Innovation und individuelles Gesundheitsverhalten zusammenspielen müssen, damit steigender Bedarf nicht automatisch zu höherer Krankheitslast wird.
11. März 2026
