Signalproteine als Arzneimittelziel
In einer aktuellen Übersichtsarbeit hat ein Team der MedUni Wien einen radikal neuen Ansatz in der Arzneimittelforschung vorgestellt. Im Zentrum steht die gezielte Modulation intrazellulärer Signalproteine, die krankheitsrelevante Signalwege steuern und gleichzeitig Nebenwirkungen reduzieren sollen. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal Trends in Pharmacological Sciences veröffentlicht und könnten die Entwicklung maßgeschneiderter Therapien entscheidend verändern.
Das Team um Christian Gruber vom Zentrum für Physiologie und Pharmakologie richtet sein Augenmerk auf sogenannte ß-Arrestine, multifunktionale Schaltstellen der zellulären Signalübertragung, die bislang kaum als Angriffspunkt für Medikamente genutzt wurden. Diese Proteine regulieren und lenken Signale innerhalb der Zelle und stehen in Verdacht, bei Erkrankungen des Gehirns eine Rolle zu spielen.
Laut Gruber binden speziell entwickelte Peptide – entweder computergeneriert oder aus chemischen Bibliotheken – gezielt an Rezeptoren oder Arrestine. Im Gegensatz zu klassischen Wirkstoffen, die zelluläre Signalwege oft unspezifisch beeinflussen, ermöglicht dieser Ansatz eine differenzierte Steuerung von Signalen. Besonders vielversprechend sind zyklische und naturinspirierte Peptide, die stabil sind und präzise auf definierte Prozesse wirken.
Diese gezielte Modulation eröffnet neue Perspektiven für die Behandlung schwerer neurologischer Erkrankungen wie Alzheimer und aggressiver Tumorarten wie dem Glioblastom. Damit diese Peptide wirksam werden, müssen sie klein, stabil und in der Lage sein, in die Zellen einzudringen und idealerweise sogar die Blut Hirn Schranke überwinden. Das Forschungsteam arbeitet bereits an Methoden, um Peptide gezielt an ihren Wirkungsort zu bringen und ihre Effekte zu optimieren.
6. März 2026