Vom Bier ins Labor: Hopfen als Arzneipflanze
2026 ist in Österreich dem Hopfen gewidmet. Fotocredit: Unsplash
Der Echte Hopfen (Humulus lupulus L.) ist für viele Menschen untrennbar mit Bier verbunden. In der medizinischen Forschung wird die Pflanze jedoch seit Jahren zunehmend als pharmakologisch interessante Quelle bioaktiver Substanzen untersucht. 2026 steht Hopfen deshalb besonders im Fokus: Die Herbal Medicinal Products Platform Austria hat ihn zur Arzneipflanze des Jahres in Österreich gekürt. Ziel dieser Auszeichnung ist es, die Bedeutung pflanzlicher Arzneistoffe in Medizin und Pharmazie hervorzuheben und wissenschaftliche Forschung in diesem Bereich stärker ins Bewusstsein zu rücken.
Botanisch gehört Hopfen zur Familie der Hanfgewächse (Cannabaceae). Verwendet werden in der Arzneimittelkunde vor allem die weiblichen Blütenstände, die sogenannten Hopfenzapfen. Diese enthalten eine Vielzahl pharmakologisch relevanter Inhaltsstoffe. Dazu zählen Bitterstoffe wie Alpha- und Betasäuren, ätherische Öle mit Komponenten wie Myrcen, Humulen und Caryophyllen sowie verschiedene Polyphenole. Besonders intensiv erforscht sind prenylierte Flavonoide, darunter Xanthohumol und 8-Prenylnaringenin.
Die medizinische Nutzung von Hopfen hat eine lange Tradition. Bereits im Mittelalter beschrieben Kräuterbücher seine beruhigende Wirkung. Hildegard von Bingen erwähnte die Pflanze im 12. Jahrhundert unter anderem im Zusammenhang mit Verdauungsbeschwerden und psychischer Unruhe. Solche historischen Hinweise ersetzen zwar keine moderne Evidenz, zeigen aber, dass Hopfen seit Jahrhunderten Bestandteil der europäischen Phytotherapie ist.
Das steckt pharmakologisch im Hopfen
Heute gilt vor allem die sedierende Wirkung als relativ gut belegt. Hopfenzubereitungen werden traditionell bei leichten Schlafstörungen und nervöser Unruhe eingesetzt. Pharmakologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass bestimmte Hopfenbestandteile das GABAerge System modulieren und möglicherweise auch schlafregulierende Mechanismen beeinflussen.
Regulatorisch sind Hopfenzapfen von der Europäischen Arzneimittel-Agentur als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung leichter Stresssymptome und zur Förderung des Schlafs anerkannt. In der klinischen Praxis kommen sie jedoch häufig nicht als Monopräparat zum Einsatz, sondern in Kombination mit Baldrian. Mehrere randomisierte und doppelblinde Studien zeigen, dass solche Kombinationen die Schlafqualität verbessern und die Schlafdauer verlängern können.
Neben diesen klassischen Anwendungen rückt zunehmend ein weiterer Wirkstoff in den Fokus der Forschung: 8-Prenylnaringenin. Dieses prenylierte Flavonoid gehört zu den stärksten bekannten Phytoöstrogenen. Es bindet an Östrogenrezeptoren und kann hormonähnliche Effekte auslösen. Deshalb wird untersucht, ob Hopfenextrakte bei Beschwerden in den Wechseljahren eine Rolle spielen könnten. Erste Studien zeigen mögliche positive Effekte, allerdings ist die klinische Datenlage noch begrenzt.
Auch mögliche metabolische Effekte werden wissenschaftlich untersucht. In einer randomisierten, doppelblinden Crossover-Studie mit gesunden Probanden führte die Einnahme eines Hopfenextrakts zu einer signifikanten Verringerung der Energieaufnahme im Vergleich zu Placebo. Gleichzeitig wurden erhöhte Spiegel mehrerer Sättigungshormone gemessen, darunter Cholecystokinin, GLP-1 und Peptid YY. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Hopfen möglicherweise auch Einfluss auf Appetitregulation und Energiestoffwechsel nehmen könnte.
Darüber hinaus beschreiben experimentelle Studien antibakterielle, entzündungshemmende, neuroprotektive und potenziell antikanzerogene Eigenschaften einzelner Hopfenbestandteile. Viele dieser Daten stammen jedoch aus Zellkultur- oder Tiermodellen. Für eine therapeutische Anwendung beim Menschen sind daher weitere klinische Studien notwendig.
28. Jänner 2026
